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Felix Mendelssohn, Max Bruch – Streichquintette

10.04.2011  | von Mátyás Kiss
 
Die Kopplung Mendelssohn-Bruch kennt jeder Schallplattensammler, vereint sie doch ursprünglich zwei der beliebtesten romantischen Violinkonzerte. Hier aber feiert sie eine durch Mozart auf einsame Höhe gehobene Kammermusikgattung, von der Robert Schumann 1838 schrieb: „Hat man im Quartett vier einzelne Menschen gehört, so glaubt man jetzt [im Quintett] eine Versammlung vor sich zu haben.“

Felix Mendelssohn, Max Bruch – Streichquintette
Die beiden jeweils halbstündigen Streichquintette Mendelssohns, die zum oft und gerne gespielten Kernrepertoire für die sogenannte „Wiener Besetzung“ mit zweiter Bratsche gehören, datieren vom Beginn beziehungsweise Ende seines Musikerlebens. Das op. 18 in A-Dur von 1826 (revidiert 1832) entstand im Jahr nach dem ebenso beliebten Oktett op. 20 und bewegt sich zugleich in der Nähe seiner Sinfonien für Streicher. Das flirrende Scherzo greift die Stimmung der Sommernachtstraum-Ouvertüre wieder auf, die Polyphonie ist allgegenwärtig. Das von demselben jugendlichen Impetus geprägte, hochdramatische B-Dur-Werk von 1845 (posthum als op. 87 erschienen) lässt nirgends vermuten, dass der Mittdreißiger hier bereits mit den gesundheitlichen Problemen kämpft, die zu seinem viel zu frühen Tod führen sollten. Mustergültige, referenzverdächtige Aufführungen durch das auf Mendelssohn spezialisierte Henschel-Quartett!

Doch damit nicht genug: Erstmals haben wir hier die Gelegenheit, Max Bruch als spätberufenen Streichquintett-Komponisten kennenzulernen: In den Jahren 1918/19 bereicherte er die Gattung um zwei Beiträge. Das Es-Dur-Quintett erschien als so unzeitgemäß, dass es erst 2008, also neunzig Jahre nach seiner Entstehung, vom Henschel-Quartett uraufgeführt wurde. Es knüpfte auch nicht, wie man meinen könnte, an die späte Romantik eines Brahms, sondern an die frühe Mendelssohns an. Als eines seiner letzten Werke schrieb Bruch 1920 sogar noch ein Oktett in dessen Geiste. So fiel Bruch in seinem kammermusikalischen Spätwerk wie der ungefähr gleichaltrige und ähnlich langlebige Camille Saint-Saens aus seiner Zeit heraus. Heute, da wir Klassizismus als eine Verpflichtung zu hohen musikalischen Werten interpretieren, wird solche Musik erst richtig aktuell. Und Romantik, nicht als Epochenbezeichnung, sondern als idealistische Geisteshaltung verstanden, veraltet ohnehin nie.

Interpretation 95%
Repertoirewert 100%

Felix Mendelssohn, Max Bruch – Streichquintette
Henschel-Quartett: Christoph Henschel & Markus Henschel, Violinen; Monika Henschel, Viola; Mathias Beyer-Karlshoj, Violoncello
Roland Glassl (Mendelssohn) bzw. Kazuki Sawa (Bruch), 2. Viola
Neos SACD 30901 (Vertrieb: Codaex)
TT: 76‘12

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