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Mozarts späte Klavierkonzerte mit David Greilsammer

18.12.2010  | von Attila Csampai
 
Allzu grosse Popularität kann auch schädlich sein: Und ständige Wiederholung nagt an der Aura, der Schönheit, den Geheimnissen grosser Musik. Der israelische Pianist David Greilsammer entdeckt die Macht der leisen Töne und „verzaubert“ Mozarts späte Konzerte.

Mozarts späte Klavierkonzerte mit David Greilsammer
Was Alfred Einstein vor mehr als 60 Jahren über Mozarts Klavierkonzerte schrieb, dass sie  das „Ideal“ des Konzertanten darstellten und eine Art „höherer Einheit, über die kein Fortschritt möglich war, weil das Vollkommene eben vollkommen ist“ – dieser hohe Respekt und diese tiefe Faszination vor dem Unbegreiflichen scheint heute vielen Musikern (und Kritikern) abhanden gekommen zu sein. Allzu oft sucht man in den musikalischen Strukturen nach eigenen Ausdrucksmöglichkeiten, nach künstlerischer Selbstverwirklichung.

Der junge israelische Pianist David Greilsammer und sein New Yorker Suedama-Ensemble (Suedama=Amadeus) haben jetzt den Versuch unternommen, uns für die Schönheit und den humanen Zauber von Mozarts Klavierkonzerten gewissermassen zu re-sensibilisieren, uns neu einzustimmen und buchstäblich zu verzaubern für die Schönheiten, Rätsel und menschlichen Geheimnisse dieser intimen, zutiefst gewaltfreien, zärtlichen Dialoge. Sie haben dazu ausgerechnet zwei späte, emotional geladene, mit grossem Orchesterklang prunkende Konzerte ausgewählt, das düster-fatalistische c-moll-Konzert (KV491) und das nicht minder tiefschürfende, kraftvolle Es-dur-Konzert (KV 482), die beide als Vorboten des grossen romantischen Konzerts gelten und dementsprechend gerne in opulenter Klangfülle dargeboten werden.

Aber schon in den ersten Takten des c-moll-Konzerts ist man überrascht und irritiert über den extrem verhaltenen, völlig innerlichen, kammermusikalisch-intimen und zärtlichen Ton, den Greilsammer und sein nur 28köpfiges Solistenensemble hier anschlagen, und der praktisch das Gegenteil von romantischem Pathos, nämlich asketische Schlichtheit und pure Intimität proklamiert. Ausgerechnet beim diesem schicksalshaft-tragischen Opus kultiviert der 33jährige Israeli auf seinem grossen Steinway eine Piano- und Pianissimokultur, wie ich sie so noch nicht gehört habe: Denn er kombiniert seine leisen Töne mit einer objektiven Prägnanz und einer schlackenlosen, nackten Klarheit, die jedes gefühlige Gesäusel, jeden Anflug von Sentimentalität weit von sich weisen. So gelingt es ihm, den musikalischen Kontext mit enormer Innenspannung aufzuladen, und sein filigranes, müheloses Spiel mit pulsierender Frische, drängendem Impuls und einem Gestus des Improvisatorischen anzureichern, und so die Musik in einen Zustand des Auratischen, des Unantastbar-Schönen, Kostbaren und von innen heraus Glänzenden zu versetzen. Dabei verwirklichen der Klaviersolist und seine musikalischen Mitstreiter eine Kommunikationskultur der individuellen, mitfühlenden Zuwendung, wie man sie nur unter Verwandten oder engsten Vertrauten kennt. So gewährt uns Greilsammer ganz neue Einblicke in den humanen Kern, die innere Schönheit und das Seelenabenteuer von Mozarts Konzerten, ohne ihnen zu nahe zu treten. Das ist eine echte Inselscheibe und Seelennahrung für die besinnliche Zeit.

Interpretation 95%
Editorischer Wert 95%

Mozart, Klavierkonzerte c-moll KV 491, Es-dur KV 482
Suedama-Ensemble, David Greilsammer, Klavier und Leitung
(Aufnahme: New York 2009)
Naïve V 5184
TT: 60’00

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